Hallo zusammen,

häufig höre ich bei Gesprächen mit Fotografen oder auch Hobbybildbearbeitern Klagen über die als mangelhaft empfundene Performance in Adobe Lightroom. Auch wenn Adobe mit dem letzten Update einiges getan hat um gerade die sehr zähen lokalen Korrekturen zu optimieren, gibt es doch Punkte, die man beachten sollte.
Ich möchte hier einmal versuchen meine Erfahrungen zu schildern und Euch einen Überblick sinnvoller Maßnahmen zu geben, mit denen Ihr Lightroom Beine machen könnt…

Hardware

Fangen wir mal bei der Hardware an. Natürlich könnte ich Euch jetzt schreiben, dass Ihr Euch immer schön die schnellste und beste Hardware am Markt kaufen sollt. Aber mal ehrlich! Wer möchte denn schon jedes Jahr 5.000 Euro oder gar noch mehr für einen neuen Rechner ausgeben? Mal ganz zu schweigen von dem Aufwand, der betrieben werden muss um alle Programme wieder einzurichten.
Nein, ich (und natürlich meine Frau, die Künstlerin in der Familie :-)) selbst nutze eine schon etwas betagte DELL Precision T1700 Workstation und bin mit der Performance in Lightroom durchaus zufrieden. Eine solche Workstation könnt Ihr mittlerweile für ca. 400 Euro bei eBay und Co. ergattern.
Der Vorteil: Diese Workstations haben meist einen Intel Xeon (z.B. wie unserer einen E3-1270 v2 mit 4x 3,5 GHz und HT) drin und performen selbst heute noch extrem gut. Vergleicht man das mit aktuellen Prozessoren um 500 Euro sind das vielleicht 10 – 15% Leistung, die da in den relevanten Bereichen an Leistung gegenüber einem neuen Prozessor fehlen.
Adobe spricht von 16 GB RAM für eine deutliche Leistungsverbesserung. In der „alten“ Workstation stecken 32 GB DDR3 RAM. Das langt durchaus für alle Aufgaben in Lightroom und im Regelfall auch für Photoshop. Wenn Ihr also weniger als 16 GB RAM hier der erste Tipp: Rüstet auf 16 GB oder besser gleich 32 GB auf!
Den größten Geschwindigkeitsschub habe ich allerdings durch die Trennung des Lightroom-Katalogs vom Betriebssystem erzielt. SSDs sind in den letzten Jahren echt erschwinglich geworden, daher ergibt es durchaus Sinn hier zuzugreifen. Das Betriebssystem läuft bei mir auf einer „ganz normalen“ SATA III SSD mit rund 550 MB/s Lese und Schreibrate (Kostenpunkt rund 90 Euro für eine 250GB SSD von Samsung). Der Lightroom-Katalog liegt auf einer M.2 SSD, die überzeugende 3.200 MB/s lesen kann (Samsung 960 Evo 250 GB M.2, Kostenpunkt rund 120 Euro). So klappt das Laden des Katalogs im Handumdrehen.
Nun hatte ich das Problem, dass das Mainboard in meinem etwas älteren Rechner kein solches Laufwerk unterstützt. Anstatt nun ein neues Mainboard, neuen RAM und einen neuen Prozessor zu kaufen, habe ich eine PCI-E M.2 Adapter angeschafft. Damit kann man eine M.2 SSD auch in Rechner einbauen, die keinen nativen Anschluss haben und macht auch ältere Rechner flott. Der Kostenpunkt für das komplette Upgrade der Festplatten liegt somit (abhängig von der Größe der SSDs inkl. Adapter) bei rund 230 Euro. Eine Investition die sich wirklich bezahlt macht!
Übrigens: Achtet immer darauf, dass Ihr auf Euren SSDs genügend freien Speicherplatz habt. Geschwindigkeit und Lebenserwartung einer SSD sinken, wenn dauerhaft weniger als 20% freier Speicher frei sind.

Workflow für Lightroom

So genug von der Technik geredet!
Wenn Ihr mit Lightroom arbeitet solltet Ihr eben nicht ausschließlich auf die verwendete Hardware achten sondern auch auf Euren Workflow. Wenn Ihr direkt nach dem Import Eurer Bilder mit der Bearbeitung beginnt werdet Ihr feststellen, dass ab einem bestimmten Punkt alles beginnt zäh und langsam zu werden. Der Grund dafür ist die automatische Erstellung der Vorschauen, die im Regelfall per Standardeinstellung aktiviert ist. Die Berechnung der Vorschauen aus den importierten RAW Dateien erzeugt aber eine relevante Prozessorlast, die sich natürlich negativ auf die gesamte Performance auswirkt. Achtet also darauf, dass Ihr Lightroom in Ruhe rechnen lasst, wenn ein solcher Balken zu sehen ist.

Osnabrück Land Fotograf

Ihr könnt natürlich auch die automatische Erstellung der Vorschaubilder deaktivieren, so belastet die Berechnung der Bilder Euer System nicht. Allerdings braucht dann das Aufrufen der Bilder länger.

Hier müsst Ihr für Euch selbst abwägen, ob das nachträgliche erstellen der Vorschauen und dafür eine zügige Bildbearbeitung zielführender ist, oder ob man den Rechner erst einmal in Ruhe die Vorschaubilder erstellen lässt.

Bildschirm und Zoom

Wenn Ihr Lightroom effektiv und nachhaltig verlangsamen wollt, legt Euch einen oder besser gleich zwei möglichst große Bildschirme mit einer extrem hohen Auflösung zu.
Ich nutze ein 32“ Display mit einer Auflösung von 2560 x 1440 Bildpunkten. Viele andere Displays in dieser Größenordnung haben noch deutlich höhere Auflösungen und ich denke es ist davon auszugehen, dass 4K oder gar 5K Displays in absehbarer Zeit der Standard werden.
Hohe Auflösungen erzeugen allerdings Rechenlast, der ein entsprechend schneller PC entgegengestellt werden muss. Is klar oder? Doppelt so viele Punkte zu malen dauert halt einfach mal doppelt so lange… und bei doppelter Auflösung sind des gleich viermal so viele Bildpunkte die gezeichnet werden müssen. Ihr könnt Euch aber behelfen, wenn Ihr bei der Bearbeitung einfach weiter in das Foto hineinzoomt.
Eine 1:2, 1:3 oder 1:4 Ansicht entlastet den Rechner hier spürbar bei lokalen Korrekturen und Bildbearbeitungen.

Arbeit mit mehreren Katalogen

Fast jeder Ratgeber schlägt vor mit verschiedenen Katalogen zu arbeiten. Bevor wir nun dazu kommen wie Ihr Euch Kataloge anlegt möchte ich den Versuch unternehmen Euch zu erklären was ein Katalog ist.
Jede einzelne Information über alle importierten Bilder (Metadaten, Bewertungen, Tags, Bearbeitungsschritte, etc.) werden in der Katalogdatei gespeichert. Je mehr Fotos in einem Katalog gespeichert und bearbeitet werden, desto größer wird eben jener; logisch oder? Je größer der Katalog wird, desto länger dauert es auch die Informationen zu laden. Auch nachvollziehbar, nicht wahr?

Nun gibt es die Möglichkeit mit verschiedenen Katalogen zu arbeiten. Um einen neuen Katalog anzulegen müsst Ihr einfach den Menüpunkt „Datei > neuer Katalog“ aufrufen. Nach dem Anlegen des Katalogs wird Lightroom neu gestartet und sieht aus wie nach dem ersten Start. Leer und schnell wie am ersten Tag.

Um zwischen den angelegten Katalogen hin und her zu springen geht Ihr über „Datei > letzte Dateien öffnen > Katalog“. Beachtet, dass Lightroom jedes Mal wenn Ihr den Katalog wechselt, neugestartet werden muss.

Neu starten und optimieren

Wie bereits beschrieben sammelt Lightroom laufend Daten über die Bearbeitung Eurer Fotos und speichert diese im Katalog. Damit auf die gesammelten Daten zügig zugegriffen werden kann müssen diese von Zeit zu Zeit neu sortiert und aufgeräumt werden. In Eurer Abstellkammer findet Ihr ja auch nichts, wenn sie nicht aufgeräumt ist… Leider übernimmt Lightroom diese Arbeit nicht selbst, also greift dem System hier unter die Arme. Öffnet über das Menü die Katalogeinstellungen. Im erscheinenden Fenster findet Ihr ganz unten den Button „Neu starten und optimieren“. Klickt drauf und Lightroom beendet sich selbst um die Optimierung vorzunehmen.

RAW Cache erweitern

Auch wenn die Lightroom-Hilfe hier wenig Aufschluss gibt lässt sich beobachten, dass die Performance verbessert werden kann, wenn der RAW Cache vergrößert wird.
Der Camera RAW-Cache ist eine Art Zwischenspeicher, den das Programm benötigt um RAW Dateien zu verarbeiten. Mal ganz einfach ausgedrückt: Viel hilft viel! Dabei sollte der Cache IMMER auf der schnellsten Festplatte im Rechner liegen. In meinem Fall also die M.2 SSD mit einer Lesegeschwindigkeit von 3.200 MB/s.
Ihr findet die Einstellung über das Menü „Voreinstellungen > Dateiverwaltung“. Im unteren Bereich könnt Ihr die Größe von der Standardeinstellung (1,0 GB) auf einen größeren Wert (max. 50 GB) ändern. Wie viel Speicher Ihr für den Cache entbehren könnt hängt von Eurem System ab, ich habe hier eine Einstellung von 32 GB gewählt.

Aber wie zum Teufel findet Ihr jetzt die richtige Größe für Euren RAW-Cache?
Überlegt Euch einfach wie viele Fotos Ihr aus jedem Shooting mit nach Hause bringt. Sind es z.B. 200 Bilder pro Shooting, die Ihr bearbeiten wollt und Ihr plant vielleicht mit zwei Shootings, die Ihr im Cache halten wollt, multipliziert diese Werte einfach mit der Bildgröße, die Eure Kamera ausspuckt:

Beispiel: 200 Bilder/Shooting x 2 Shootings x 35 MB/Bild = 14000 MB = ~14 GB

In diesem Fall würde ich also rund 14 – 16 GB als Cachegröße einstellen.
Achtung: Diese Einstellung ändert auch die Einstellung für Photoshop!

Grafikprozessor

Lightroom gibt Euch die Möglichkeit bestimmte Berechnungen vom Prozessor wegzunehmen und auf die Grafikkarte zu verlagern. Grafikkarten sind extrem auf die Parallelisierung von Prozessen ausgelegt. So kann die Nutzung einer unterstützen Grafikkarte zu einem extremen Leistungszuwachs in bestimmten Teilbereichen führen.
Ihr könnt die Berechnung über die Grafikkarte aktivieren indem Ihr die Voreinstellungen über das Menü öffnet und im Register Leistung das Kontrollkästchen „Grafikprozessor verwenden“ aktiviert.

Export von Fotos

Wenn Ihr viele Fotos exportiert kann es sich lohnen das in insgesamt drei Arbeitsschritten zu erledigen. Exportiert Ihr also 300 Bilder, markiert Ihr zunächst Foto 1 bis 100, exportiert diese und markiert sofort Foto 101 – 200 und exportiert diese auch. Fahrt mit dem letzten Block analog fort. Auf diese Weise nutzt Lightroom für den Export mehrere Prozessorkerne und wird schneller fertig.

So das soll es erst einmal gewesen sein mit meinen Tipps zur Performance für Euch.
Solltet Ihr noch weitere Fragen oder Anregungen haben schreibt mir gern!

Als bis dann…

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